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Zuhörer- und Kritikermeinungen über Kuss-Kurzgeschichten
Lesungen der Pankower Lesebühne "SoNochNie"

 

Ein neues Gesicht auf der Lesebühne, dass wir mit berechtigter Hoffnung wohl ab jetzt öfter sehen werden, erweiterte den Horizont des Abends um ein weiteres Genre. Michael Kuss, pensionierter Journalist, kann des Schreiben nicht lassen und versammelt detailreiche, lebenskluge und wortgewandte Beobachtungen aus dem Alltag in Form von kurzen Reportagen, aus dem er den ersten Text vortrug: "Luzie wartet" in einer Neuköllner Kneipe zwischen mehr oder weniger gestrandete Existenzen auf... was? Das ist die Frage.

Ossis und Wessis, Treptow und Neukölln, Stütze und Mindestlohn-Jobber trudeln durch einen Tag von Bier und Schnaps, Geldspiel- und Bankautomat, die ihren Inhalt beide nur unwillig hergeben, auch wenn man gerne anderes behauptet.

Das Milieubild kam an, weil es aufmerksam beobachtet und frisch erzählt war; ein paar allzu schnell gewählte und klischeegefährdete Charakterisierungen sollen trotzdem nicht unerwähnt bleiben, gerade weil alles andere so anregend und lebhaft geraten war. Wir sind gespannt auf die nächsten Kusstexte.

Gelesen wurde die Kurzgeschichte "LUZIE WARTET IN IHRER STAMMKNEIPE" (Aus dem Band "Luzie wartet")

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Bei der letzten Lesebühne hatte Michael Kuss uns erstmals etwas vorgestragen. Der gelernte und mitlerweise pensionierte Journalist stellt uns nun einen noch nicht veröffentlichten Text vor, las also "vom Blatt". Der eröffnete im Vergleich zu seinem letzten Auftritt neue Dimensionen. Aus einer banalen Situation- ein alleinstehender, älterer Herr versucht, eine Kontaktanzeige zu formulieren - entwickelte er eine höchst spannende Gratwanderung zwischen Humor und Tragik. Die Unerbittlichkeit des fortschreitenden Alters kämpft in den Gedankengängen dieses einsamen Menschen an seinem Cafétisch gegen den nun einmal vorhandenen Wunsch nach einem Gegenüber, einer Frau. Und nicht nur der bloße Verfall stellt ihm ein Bein, es ist auch die immense Erfahrung, die das Alter nun mal mit sich bringt, das Wissen darum, was alles schief gehen kann. Und überraschend steht am Ende ein ganz realer Mensch vor dem Mann.

Gelesen wurde die Kurzgeschichte "HERR KAULBACH SUCHT EINE FRAU" (Aus dem Band "Luzie wartet".

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Michael Kuss brachte heute Abend gleich mehrere Kunststücke fertig. 1. Er zeigte uns, dass er, nicht nur meiner Ansicht nach, sogar noch schöner schreiben kann als wir bisher meinten. 2. Er brachte uns mit seiner Erzählung, die im Nachkriegswinter im ländlichen Gebiet zwischen Hessen und Bayern spielt, gleichzeitig auch noch in die ursprüngliche Weihnachtsgeschichte, die, wie wir wissen, vor etwa 2000  Jahren auf einem Bauernhof in Palästina spielt, und ins aktuelle Tagesgeschehen nach, sagen wir Dresden. 3. “Das bayrische Weihnachtsessen” selbst und seine Art, diese Kurzgeschichte vorzutragen. Wie hat er das bloß geschafft? Die biografische Geschichte aus seiner Kindheit im wohl härtesten Winter, den man sich vorstellen kann, erzählt von Not, von Verzweiflung, von Bigotterie und Hartherzigkeit und, am Ende, von Hilfsbereitschaft. Mit schlichter, aber sehr anschaulicher Sprache in der Tradition z.B. von Siegfried Lenz ließ er uns an dem Erlebnis eines kleinen Jungen und seiner Mutter teilhaben, die hungern und am Heiligabend versuchen, auf einem Bauernhof gegen ein bisschen Tabak etwas zu essen zu bekommen. Die abweisende Haltung der katholisch-unbarmherzigen Bäuerin war es nun, die die Geschichte in unsere Gegenwart katapultierte, mitten in die Menge der Pegida-Demonstranten, die es schaffen, gleichzeitig Ausgrenzung zu fordern und Weihnachtslieder zu singen. In der Geschichte ist es eine Nebenfigur, die der Mutter und ihrem Sohn am Ende doch noch zu einem Schlafplatz und einer Mahlzeit verhilft. In unserer Gegenwart bleibt hoffentlich Pegida eine Nebenfigur.

Gelesen wurde die Kurzgeschichte "DAS BAYRISCHE WEIHNACHTSESSEN" aus dem Band "Und das am Heiligabend".

 

 

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